Re: Bahnreise Indien, Tickets kaufen

Schon wieder einige Tage zurück aus Indien, hier meine Fazit für Direktbucher indischer Zugkarten:

Registrierung für online--Buchung nur mit indischer Handy/SIM-Karte möglich & nur mit Amexkreditkarte & Kopie von Deutschem Reisepass im pdf-Format an Indian Railways. Nach Nachfragen in Indien vor Ort: höhere Sicherheitsstufen eingeführt, mehr war nicht raus zu bringen. Also ohne indische Unterstützung eigentlich nich möglich.


Indien ist m. E. immer noch ein sicheres Land. Wenn man bedenkt, wie groß die Kluft zwischen Arm und Reich ist, passieren erstaunlich wenig Gewaltverbrechen. Dies liegt m. E. an der in Indien vorherrschenden Religion, dem Hinduismus. Jeder gläubige Hindu glaubt an Wiedergeburt, an Karma (also des Gesetzes von Ursache und Wirkung) und ordnet sich auch oft dem Kastensystem unter (obwohl dieses schon lange offiziell abgeschafft wurde). Diese in der indischen Kultur tief verwurzelten Glaubenssätze tragen dazu bei, dass Gewaltlosigkeit und das Abfinden mit dem eigenen Schicksal oft als Normen für die eigene Lebensführung postuliert werden. Sicherlich gibt es auch andere soziologische Begründungsansätze. Meiner Ansicht nach muss der Einfluss der Religion aber der wesentliche Faktor sein. Wie sonst ließe es sich erklären, dass es seit sprichwörtlich mehreren tausend Jahren nie zu einer Revolution gegen die herrschende, reiche Bevölkerungsschicht gekommen ist. In Europa und Amerika war die Kluft zwischen Arm und Reich, Ungleichbehandlungen oder Diskriminierungen von einzelnen Bevölkerungsgruppen stets Auslöser von Unruhen und Revolutionen. Nie hingegen in Indien. Selbst im Zeitalter der englischen Kolonialzeit wurde die Befreiung durch eine gewaltlose "Revolution" erreicht unter der damaligen Führung des heutigen Nationalhelden Mahatma Gandhi (in der gesamten Menschheitsgeschichte wurden nie so viele Menschen von einer so geringen Zahl von Besetzern unterworfen). Dieses moralisch-religiöse Postulat des Gewaltverzichts ist in Indien immer noch spürbar (deshalb sind auch so viele Inder Vegetarier). Natürlich finden sich in Zeitungen immer wieder Berichte über Mord, Raub und Totschlag und auch in den Slums wird es viele Gewaltverbrechen geben, die erst gar nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Bedenkt man jedoch die enorme Bevölkerungsdichte, insbesondere in den Großstädten (in Mumbai inoffiziell ca. 18 Millionen) und das dichte Zusammenleben von (bitter)- armen und reichen Menschen, ist das Gewaltpotenzial m. E. sehr gering. Ich jedenfalls hatte nie Angst, Opfer irgendeines Gewaltverbrechens zu werden, selbst in Vierteln, in denen Menschen sprichwörtlich ums nackte Überleben gekämpft haben (während man z. B. in Amerika in "vergleichbaren" Vierteln wohl sehr schnell Opfer von Gewaltkriminalität werden würde).

 

Kriminalität

 

Indien ist ein sicheres Reiseland. Gewaltkriminalität ist selbst in großen Städten selten. Vor Taschendiebstahl und Betrügereien und Schleppern muss man sich jedoch in Acht nehmen.

Auf jeden Fall sollte man einen Satz von Kopien aller wichtigen Dokumente und Unterlagen in der Heimat deponieren, einen weiteren Satz mit nach Indien nehmen. Eine Fotokopie des Reisepasses in der Tasche ist in den meisten Fällen ausreichend.

 

Anders ist es hingegen bezüglich Betrügereien und Diebstahl. Diesbezüglich ist hohe Vorsicht geboten. Man sollte vorsichtshalber Kopien aller seiner offiziellen Dokumente haben und immer eine gewisse Menge an Geld in einem zweiten Portemonnaie aufbewahren.

Bei großen Menschenmengen und engen Zügen/Bussen, Warteschlangen etc. muss man stets sein Geld sicher verwahrt wissen. Auf Taschendiebstahl, selbst mit Aufschlitzen der Taschen mittels Rasierklingen, muss man gefasst sein, ebenso auf Ablenkungsmanöver und andere Dreistigkeiten (z. B. Juckpulvereinsatz).

Gepäck sollte man nie unbeaufsichtigt gelassen werden, am Besten immer mit einem Körperteil den Kontakt zu dem Gepäckteil bewahren. Auch mit seiner Kreditkarte sollte man vorsichtig umgehen und möglichst nicht aus der Hand geben (in Restaurant aber schwierig, da es üblich ist, dass der Kellner die Karte zur Kasse mitnimmt).

 

Sollte man Opfer eines Vermögensdeliktes werden, sollte man dies bei der Polizei registrieren lassen, um sich ggf. Ansprüche gegen seine Versicherung zu sichern. Frauen sollen darüber hinaus auch vor sexuellen Belästigungen gewarnt sein. Da eine nicht unerhebliche Zahl der indischen Männer westliche Frauen als "leicht zu haben" einstufen, insbesondere unverheiratete Frauen, ist die Hemmschwelle dieser Männer gegenüber westlichen Frauen als gering einzustufen.

Die Gegend Delhi gilt als die gefaehrlichste, wohingegen Mumbay das Gegenteil zu sein scheint.

 

Sofern man als Frau in der Öffentlichkeit in solch eine Situation gerät, sollte sie sich lautstark und empört zeigen. Dem Täter ist die Situation dann meistens sehr peinlich (da er sich offenbar geirrt hat in seiner grundsätzlichen Einstellung ggü. westlichen Frauen) und umstehende Passanten greifen auch sehr schnell und hilfsbereit ein. Man sollte als Frau ggü. fremden indischen Männern deshalb auch nicht allzu freundlich sein, da dies schnell als "unmissverständliches Zeichen" ausgelegt werden könnte. Im Extremfällen kann es auch zu Vergewaltigungen kommen, wie es während meines Aufenthaltes einige Male in der Zeitung stand (u. a. wurde einmal eine Touristin auf dem Nachhauseweg vom Taxifahrer vergewaltigt, einmal ein indisches Mädchen am hellichten Tag in einem Polizeihäuschen von einem Polizisten!). Sofern sich die Frau in männlicher Begleitung befindet (der vielleicht auch noch nach außen seinen Verteidigungswillen" zum Ausdruck bringt), ist es für Frauen jedoch m. E. sicher, selbst nachts.

 

In der Vergangenheit und in jüngster Zeit war Indien auch immer wieder Opfer von Terroranschlägen. Die Anschläge sind meist politisch-religiös motiviert, i. d. R. zwischen radikalen Hindus und Moslems. Auch Mumbai war vor einigen Jahren Opfer von mehreren gleichzeitig stattfindenden Bombenanschlägen. Zudem gab es zwischen Hindus und Moslems vor einigen Jahren am "Black Friday" heftige Kämpfe, bei denen viele Menschen ums Leben gekommen sind. Immer wieder ist auch Varanasi Opfer von Bombenanschlägen, da es sich um die heiligste Stadt für Hindus handelt (letzter Anschlag im Februar 2006, mit vielen Toten). Es muss daher nicht betont werden, dass man sich von Tumulten oder aufkeimenden Unruhen so schnell wie möglich entfernen sollte.

Man kann drei Arten von Friseuren unterscheiden. Erstens die Friseure, die auf der Straße ihre Dienste zu sehr günstigen Preisen anbieten, zweitens die indischen Friseurläden und drittens die exklusiven westlich orientierten Friseure (letztere gibt es nur in den Großstädten). Ich bin stets zu den indischen Friseurläden gegangen, mit denen ich höchst zufrieden war. Da der indische Kunde oft schwierig zu schneidendes Haar besitzt und zudem auch sehr penibel ist, arbeiten die Friseure schnell und professionell mit guten Ergebnissen. Möchte man sich auch rasieren lassen, sollte man sich vergewissern, dass eine neue Rasierklinge eingesetzt wird, was aber bei guten Läden ohnehin automatisch vor den Augen des Kunden getan wird. Ein simpler Friseurbesuch kostet zwischen 50-80 Rs. Es ist angebracht, dass man Trinkgeld gibt. In Anbetracht der geringen Kosten kann man auch mal besondere Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Ich kann z. B. eine Kopfmassage sehr empfehlen. Bei dieser wird zunächst der Kopf mit Kokosöl massiert. Dann wird das Öl mit sehr starker Kraft noch mal einmassiert, was gelegentlich das Gefühl vermittelt, dass die Haare ausgerissen werden. Sodann wird der Kopf, der Stirnbereich und z. T. die Schultern mit einer silbernen Massagemaschine, die der Friseur sich über die Hand stülpt, mehrmals massiert. Die Maschine vibriert so stark, dass man die Vibration oft bis zum Rumpf spürt. Danach bekommt man zwei heiße Handtücher um den Kopf gewickelt, die allerdings nicht immer frisch sind. Auch wenn sich die Beschreibung der Massage vielleicht unangenehm anhören sollte und in den Verdacht geraten könnte, Kopfschmerzen zu verursachen, habe ich die ca. 7min Massage immer als sehr angenehm empfunden.