Raga bedeutet wörtlich übersetzt "Gefühl, Zuneigung, Emotion"; die Inder hatten seit langem erkannt, dass gewisse Klänge oder Tonfolgen gewisse Emotionen beinhalten, und diese auch in uns auszulösen vermögen. Im Natya Shastra, einer der ältesten Abhandlungen und Lehrbücher der indischen Musik, steht das Folgende in diesem Zusammenhang: "Ein Raga verleiht dem Herzen und Geist des Menschen Farbe und Tönung. “Wenn der Artist die innewohnende Emotion eines Ragas zu entfalten weiss und sich ihr mit Hingabe geradezu unterwirft, so kann er wahre Wunder vollbringen.”

 

 Raga Skalensystem

http://www.govinda-shop.ch/index.php?id=196

Wie in jeder anderen Kunstform ist auch der indische Musiker an gewisse wohldurchdachte Regeln der Darbietung im weitesten Sinne gebunden. Zu nennen wären hier Raga und Tala.

Der Raga stellt eine seit vielen Jahrhunderten übermittelte melodische Grundstruktur der klassischen indischen Musik dar. Es handelt sich dabei um eine "Klangpersönlichkeit", die zu einer feststehenden Tonskala zugeordnet ist, ähnlich wie die westlichen Tonarten.
Der Raga schreibt vor, welche Töne zu einem Musikstück passen. Ferner gibt der Raga bestimmte melodische und ornamentale Elemente, sowie für einige Töne geltende Spielvorschriften an. Der Raga enthält zwei Haupttöne, auf denen die Melodiefiguren beginnen und enden, und die den Ausdrucksgehalt des Raga bestimmen. Es gibt eine Vielzahl überlieferter Ragas, die oft einer bestimmten Tageszeit oder Situation zugeordnet sind und mit der emotionalen Situation des jeweiligen Zeitpunkts übereinstimmen.
Die Tonleitern der westlichen Musik benutzen maximal 12 Töne pro Oktave. Die indische Musik orientiert sich dagegen an den Shrutis (Mikrotönen), die eine Oktave in 22 Schritte unterteilen. Pro verwendeter Skala (Tonleiter) gibt es 7 Haupttöne, sogenannte Svaras:
Sa, Ri, Ga, Ma, Pa, Dha, Ni, und Sa
Das „Sa“ hat die Rolle des Grundtons und die Svaras beziehen sich stets auf das „Sa“. Die Svaras entsprechen im Wesentlichen den Solmisationssilben der westlichen Musik: Do, Re, Mi, Fa, Sol, La und Ti. Allerdings ist eine genaue eins-zu-eins-Zuordnung nicht möglich, da die Tonhöhe zum einen vom verwendeten Raga abhängt, zum anderen von dem Umstand, dass jeder Musiker sein eigenes „Sa“ hat. Manchmal wird das C der westlichen Musik als „Sa“ verwendet, es kann jedoch auch höher oder tiefer sein. Beim Zusammenspiel mehrerer Musiker werden alle Instrumente auf den Grundton des dominierenden Musikers gestimmt. 
 In der Praxis ist es so, dass der Musiker für ein Konzert 2-3 Ragas (je nach Tages- und Jahreszeit) auswählt. Diese beruhen auf traditionell festgelegten auf- und absteigenden Tonfolgen aus 6-8 Tönen.
Zum Beispiel:
Raga Bagashree 
mit der aufsteigenden Tonfolge: Sa – Ga – Ma – Dha – Ni – Sa´
und absteigend:  Sa – Ni – Dha – (Pa – Dha – Ni –Dha) Ma – Ga – Ri – Sa´
oder Raga Hemant
mit aufsteigend: Ni – Sa – Dha (Ni – Sa – Ga – Ma) Ma – Dha – Ni – Sa´
und absteigend: Sa´- Na – Dha – Pa – Ma- Ga – Ma – Ri - Sa

Harmonien und Tonleiter

Was Europäern als erstes auffällt, sind die fehlenden Moll-Dur-Harmonien. Die indische Musik ist modal, das heisst das ganze musikalische Geschehen kreist um einen Ton, den Grundton. Dieser Grundton und meist auch seine Quinte werden immer wieder aufs Neue von den Begleitinstrumenten wiederholt, um dadurch auf den bestimmten Klangcharakter, den Modus, einzustimmen. In Indien kennt man über 72 verschiedene Modi, wir Europäer kennen nur zwei, nämlich Dur und Moll, abgesehen von den Kirchentonarten.
Ein weiterer Unterschied zur europäischen Musik ist, dass es keine vorgeschriebene Höhe des zu spielenden Grundtons gibt. Der indische Musiker, speziell der Sitarspieler, stimmt sein Instrument auf seinen eigenen inneren Grundton ein. Indische Musik ist auch meistens solistische Musik, denn der Musiker spricht durch sein Instrument, er versucht, den bestimmten Gefühlsgehalt zu entwickeln und vermittelt ihn dann dem Zuhörer. 

Die Tonleiter der indischen Musik hatte zu frühesten Zeiten drei verschiedene Noten. Mit der Zeit wuchs die Tonleiter auf sieben Noten und deren fünf erhöhten bzw. erniedrigten Noten an, und heute sind es sogar 22 verschiedene Noten. Die zwischen diesen Noten liegenden Mikrointervalle sind weniger als ein Halbtonschritt in unserem Sinn. 

Man kann sich jetzt gut vorstellen, welche Variationsmöglichkeiten die indische Musik zu bieten hat. Aber sie fordert auch vom Zuhörer ein feines Ohr und bewusstes Hören. 

Indische Rhythmik unterscheidet sich vom westlichen „Takt“-System grundsätzlich dadurch, dass hier mit zusammengesetzten Einheiten gearbeitet wird. Ein Tala besteht aus einer bestimmten Anzahl von Schlägen (Matra), die in Abschnitte (Vibhag) eingeteilt sind. Das erste Matra eines solchen Abschnitts trägt eine gewisse Betonung. Die stärkste Betonung trägt das erste Matra des Zyklus (Sam = gemeinsam, zusammen). 

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Tala